Attentioner ADHS Training

Hilfe für Kinder und Jugendliche mit einer Aufmerksamkeitsstörung AD(H)S

durch das Gruppenprogramm "Attentioner"

Ziel des Trainings ist die Verbesserung von Funktionsdefiziten im Bereich der fokussierten und geteilten Aufmerksamkeit. Die Kinder sollen lernen, irrelevante Reize auszublenden und sich auf die relevanten Reize besser konzentrieren zu können. Dazu gehört auch, nicht erwünschte Reaktionsimpulse angemessener hemmen zu können. Außerdem wird erlernt, seine Aufmerksamkeit auf zwei oder mehr Reize aufzuteilen, so dass eine parallele Bearbeitung verschiedener Aufgabenstellungen möglich wird, wie sie in der Schule häufig erforderlich ist. So schreiben beispielsweise die Schüler von der Tafel ab und der Lehrer erläutert die angeschriebenen Inhalte genauer.

 

Das Training umfasst 15 Trainingseinheiten zu je 90 Minuten sowie 5 Elterntrainingseinheiten zu je 100 min, die gegen Mitte des Trainings stattfinden.  

Dieses Training führen wir in unserer Praxis in Fürstenfeldbruck / Buchenau in Gruppen mit jeweils 4 Kindern durch.

Termine auf Anfrage


Das Vorgehen

Im Vordergrund des Gruppentraining ATTENTIONER steht die Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit.
Im Attentioner werden in erster Linie Aufgaben und Anforderungen an die fokussierte und an die geteilte Aufmerksamkeit gestellt, da diese beiden Aufmerksamkeitskomponenten die grösste Alltagsbedeutung haben.

Durch geeignete Aufgaben sollen die Teilnehmer einen Arbeitsstil anstreben, wobei sie über ein Strategietraining schneller, effektiver, konzentrierter und strukturierter lernen zu arbeiten.

Durch das Training hinweg kommen Punkte-Verstärker zum Einsatz.


Grundlagen

Das ATTENTIONER fusst auf zwei Annahmen:

Zum einen auf lernpsychologischen Erkenntnissen und zum anderen auf der neuropsychologischen Annahme, dass Aufmerksamkeitsstörungen primär als eine Inhibitionsstörung (sich nicht hemmen können, einem Impuls nicht sofort nachgehen) verstanden werden können.

Aus der neuropsychologischen Annahme einer Inhibitionsstörung lässt sich ableiten, dass es sinnvoll ist, Aufgaben zu entwerfen, mit denen man Hemmprozesse einüben kann. Dabei kann angenommen werden, dass von den betroffenen Kindern in der Schule ein solcher Hemmprozess erwartet wird.

Die betroffenen Kinder sind in der Schule überfordert, der Aufforderung des Lehrers nachzukommen, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Im Attentioner ist das Erlernen von Hemmprozessen nicht nur Gegenstand der Therapie, sondern wird durch direkte Rückmeldung zu jeder bearbeiteten Aufgabe verstärkt.

Mit Hilfe des Attentioners kann man demnach die Aufmerksamkeitsselektivität (Steuerung) effektiv behandeln.


Prinzip des Trainings

Bei der Behandlung aufmerksamkeitsschwacher Kinder kommen verhaltenstherapeutische Prinzipien zum Einsatz, welche sich in der neuropsychologischen Behandlung von Kindern bewährt haben. Das Training wird als Gruppentraining mit jeweils vier Kindern vergleichbaren Alters durchgeführt. Die therapeutische Arbeit mit einer Gruppe ermöglicht eine strukturierte Bearbeitung verschiedenartiger Aufmerksamkeitsanforderungen und vor allem das Generieren alltagsnaher Lösungsstrategien, da die Kinder voneinander lernen können.

In die Gruppentherapie integrierte Wettbewerbssituationen (positiver Wettbewerb), in denen jeweils zwei Kinder eine Teamübung bearbeiten, erhöht die Therapiemotivation. Die Aufgaben zur geteilten und zur selektiven Aufmerksamkeit werden durch Punkte-Verstärker flankiert. Sie dienen zu Verhaltensregulierung innerhalb der Trainingsgruppe, dem Aufbau und der Aufrechterhaltung der Leistungsmotivation während des Trainings und Motivation zu Lösung der zu Hause selbständig zu bearbeitenden “Geheimaufträge”.


Lernmechanismus des Trainings

Beim ATTENTIONER steht nicht das Selbstinstruktionsverfahren im Mittelpunkt, das dann an einer Vielzahl von Aufgaben eingeübt wird, vielmehr werden die einzelnen Aufgaben als zu lösende Probleme angesehen, bei denen die Kinder versuchen, intuitiv durch Versuch und Irrtum den bestmöglichen Lösungsweg zu finden. Der bestmögliche Lösungsweg ist dabei der, der dem Kind zum Gewinn verhilft. Die einzige durch den Therapeuten vorgegebene Hilfe ist dabei das Vorstellungsbild von Taifun - als Symbol für selektive Aufmerksamkeit.

Die Kinder lernen so spielerisch nicht nur einen richtigen Lösungsweg, sondern auch, welche Lösungswege sich nicht eignen. Sie entwerfen eine Vielzahl von Lösungsstrategien, aus denen sie die Beste auszuwählen lernen. Ferner wird auf die Art und Weise die Frustrationstoleranz erhöht, da es beim intuitiven Lernen immer auch zur Ausbildung nicht geeigneter Lösungsschemata kommt, die verworfen werden müssen, um den erstrebten Gewinn erreichen zu können.


Aufmerksamkeitsstörungen

Fokussierte Aufmerksamkeit

Unter fokussierter Aufmerksamkeit wird die Fähigkeit verstanden, schnell und zuverlässig auf relevante Hinweise zu reagieren und sich dabei nicht durch nebensächliche Informationen oder durch Störreize ablenken zu lassen. Es darf also aus einer Vielzahl an gleichzeitigen Reizen nur der in diesem Augenblick bedeutsame Reiz beachtet werden. Ein typisches Beispiel sind Hausaufgabensituationen. In der Regel werden Hausaufgaben als reizarm wahrgenommen, während die Reize der Umgebung, etwa das Spielzeug im Regal oder der vor dem Fenster vorbeifahrende Müllwagen, eine höhere Reizintensität haben.

Die Kinder müssen nun ihren Aufmerksamkeitsfokus, den man sich als eine Art Lichtkegel vorstellen kann, auf die Hausaufgaben richten und ihn dort belassen und die anderen Reize ins Dunkel tauchen.

Selektive Aufmerksamkeit

Die Fähigkeit zur geteilten Aufmerksamkeit stellt eine tägliche Routineanforderung dar. Sie beschreibt unser Vermögen, zwei oder auch mehrere Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, das heisst die Aufmerksamkeit als Ganzes zwischen zwei oder mehr Anforderungen aufzuteilen.

Im Alltag benötigen Kinder diese Fähigkeit, wenn sie im Mathematikunterricht gleichzeitig eine komplizierte Formel von der Tafel abschreiben und den Erläuterungen des Lehrers folgen müssen. Betroffene Kinder neigen zur seriellen Verarbeitung oder dem Ausblenden des Reizes.


Selbstregulierung

Die Anforderungen im Training an eigenverantwortliches Handeln beziehen sich zumindest auf die folgenden drei Bereiche:
- eigenverantwortliches Mitbringen der Geheimaufträge
- den Therapeuten im Krankheitsfall anrufen und um Zusendung des Geheimauftrages bitten
- das Zuschicken des Lösungsversuchs an den Therapeuten, wenn das Kind krank ist.


Ein weiteres Therapieziel besteht darin, sozial erwünschtes Verhalten aufzubauen. Dieses Ziel ist erreicht, wenn die durch die roten Karten symbolisierten Regeln innerhalb des Trainings eingehalten werden. In den meisten Fällen hat sich gezeigt, dass die Kinder die neu erworbenen oder verbesserten Fähigkeiten im Bereich der selektiven Aufmerksamkeit eigenständig im Alltag anwenden.

Auch wurden von Eltern und Lehrern ein verbessertes eigenverantwortliches Handeln zurückgemeldet. Vielfach kam es auch zu Verbesserung der Schulnoten.


Leitfigur und Geheimaufträge

Die Leitfigur des Trainings ist Taifun, ein kleiner Winddrache. Um Feuer speien zu können, muss er sich konzentrieren lernen. Es gelingt ihm dies zu Beginn noch nicht, daher erzeugt er nur heissen Dampf.Während des Trainings verwandelt sich Taifun in einen Geheimagenten, wenn er die Geheimaufträge löst. Am Ende des Trainings gelingt es Taifun, sich zu konzentrieren.

Wenn die Kinder um ihre Hilfe bei den Geheimaufträgen nachfragen, sollen die Eltern sich sofort mit ihnen zusammen für mindestens 15 Minuten bemühen, den Geheimauftrag zu lösen.Die Aufgaben sind in der Regel auch von den Eltern nicht auf den ersten blick lösbar und setzen voraus, Frustration aushalten zu können. Da den Eltern die Lösung nicht immer gelingt, erfahren die Kinder so, das es vorkommen kann, dass machen Aufgaben auch von Erwachsenen nicht gelöst werden.Aber: Sollte eine Lösung gelingen, so ist die persönliche Bestätigung sehr gross.